Unerlässlich – Eine verlässliche Vorausplanung für weitere Schritte bei Schulöffnungen

Kategorien: Aktuelles, MitgliederinformationVeröffentlicht: 01.05.2020

Ein wichtiger Schritt – Schulministerium bekundet offiziell die Einbeziehung der Fachverbände

Die Entscheidungen der kommenden Tage sind richtungsweisend für den ordnungsgemäßen Abschluss des Schuljahres 2019/20. Davon ist der Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen überzeugt. „Wir brauchen jetzt einen verbindlichen Fahrplan – mindestens bis zu den Sommerferien. Nur so ist es möglich, den Schulen die notwendige Vorbereitungszeit zu geben, um Prüfungen, Lernen auf Distanz und Präsenzunterricht bei gleichzeitigem Infektionsschutz zu ermöglichen“, erklärt die PhV NW-Vorsitzende Sabine Mistler. Die Vorarbeit des Ministeriums für Schule und Bildung in Nordrhein-Westfalen, unter konstruktiver Einbeziehung der Fachverbände, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. So ist es möglich, die bundesweit einheitlichen Vorgaben an die Besonderheiten in NRW anzupassen und den Schulen eine realistische Chance zur Umsetzung zu geben. Selbstverständlich muss dabei auch ein spontanes Reagieren auf die aktuelle Entwicklung der Infektionszahlen nicht ausgeschlossen werden.

Hier wichtige PhV-Forderungen (Einbeziehung der Fachverbände) im Zusammenhang mit den in der kommenden Woche anstehenden Entscheidungen:

  • Zeit der Provisorien ist vorbei – genügend Zeit für Vorbereitungen
    In diesem Schuljahr wird es keine Rückkehr zum normalen Schulbetrieb geben.
    Allen Schulen muss ausreichend Zeit gegeben werden, um den erweiterten Wiedereinstieg in den Schulbetrieb vorzubereiten und zu ermöglichen.
  • So viel Rahmen wie nötig – so viel schulbezogener Freiraum wie möglich
    Ein einheitlicher Rahmen für die Fortsetzung der Öffnung der Schulen ist enorm wichtig. Demgegenüber erfordern die extrem unterschiedlichen Voraussetzungen an den einzelnen Schulen ein größtmögliches Maß an schulbezogenen Freiräumen, etwa bei der Organisation des Präsenzunterrichts und der zu jeweils zu unterrichtenden Lerngruppen und Fächer.
  • Umfassender Gesundheitsschutz an allen Schulen im Land
    Während einer Pandemie darf es keine Ungleichheiten im Infektionsschutz geben. An allen Schulen müssen ohne Ausnahme alle Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und andere Mitarbeiter angemessen geschützt werden.
  • Keine festen Fächervorgaben für den Präsenzunterricht
    Schulen sollen individuell die Möglichkeit haben, ihre Lehrkräfte bestmöglich einzusetzen und auf deren Gesundheitsschutz umfassend Rücksicht nehmen zu können.
  • Kein Samstagsunterricht
    Auch in Zeiten von COVID-19 ist es notwendig, Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern Pausen zur persönlichen Regenerierung zu gewähren. Die Samstage müssen für Schule tabu sein.
  • Arbeitsbelastung der Lehrkräfte angemessen berücksichtigen
    Die letzten Wochen haben sehr viele Lehrkräfte bei der Organisation und Durchführung des Lernens auf Distanz extrem herausgefordert. Mit der Öffnung der Schulen, dem Einstieg in die Abiturprüfungen und der Erweiterung auf andere Jahrgänge werden Distanz- und Präsenzlehren weitere Spitzenbelastungen hervorrufen. Daher ist ein umsichtiger Einsatz mit großzügigen Entlastungsmöglichkeiten unabdingbar.

Auch das digitale Lernen auf Distanz ist nach Ansicht des PhV NW deutlich unterstützenswert. Hier sind folgende Punkte dringend zu berücksichtigen:

  • Rahmenbedingungen des Datenschutzes bei der Nutzung der Clouds klarstellen
    Lehrerinnen und Lehrer dürfen mit Fragen des Datenschutzes nicht alleine gelassen werden. Hier sind eine Klarstellung durch den Dienstherrn sowie eine großzügige Handhabung (wenn auch zeitlich begrenzt) zwingend erforderlich.
  • Lehrkräfte unterstützen bei der Optimierung längerfristigen Distanzlernens
    Lernen auf Distanz steht anteilig bis zu den Sommerferien realistisch vor Präsenzunterricht.
    Im Sinne eines verantwortlichen Umgangs und Handelns gegenüber allen an Schule Beteiligten, wird der zeitlich begrenzte Präsenzunterricht sicherlich sowohl der Vermittlung von Unterrichtsinhalten, als auch der sozialen Ankopplung an die Schule, die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Mitschülerinnen und Mitschüler dienen. Der überwiegende Anteil des inhaltlichen Inputs und Austauschs wird jedoch auf dem Lernen auf Distanz liegen. Daher benötigen die Lehrkräfte dringend Unterstützung durch freie digitale Bildungsmaterialien.
  • Technische Unterstützung für das Lernen auf Distanz
    Lehrerinnen und Lehrer sind Pädagogen und keine Systemadministratoren. Daher sollten die technischen Aspekte des Lernens auf Distanz von Experten administriert und unterstützt werden, wo dies für erforderlich gehalten wird.
  • Leihgeräte für Schülerinnen und Schüler ohne angemessene Endgeräte
    Alle Schülerinnen und Schüler sollten einen vergleichbaren Zugang zum digitalen Lernen auf Distanz haben. Wenn es in einem Haushalt an den passenden Endgeräten fehlt, so wäre es sinnvoll, diese auf einer Leihbasis zur Verfügung zu stellen. Hier sind pragmatische Lösungen gefragt.

Das Schuljahr 2020/21 wird ohne Zweifel durch Einschränkungen und Neuentwicklungen als Reaktion auf COVID-19 geprägt sein. „Es ist daher sinnvoll, sich jetzt so gut wie möglich vorzubereiten. Wir brauchen praktikable Entscheidungen, die der Realität an den Schulen standhalten. Auch wenn die Herausforderungen der Familien mit dem Lernen auf Distanz sehr groß sind, werden wir nicht müde werden, die enorme Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer in dieser Ausnahmesituation immer wieder herauszustellen und die Forderung nach dem größtmöglichen Gesundheitsschutz aufrecht zu erhalten“, so Sabine Mistler.

 

 

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