Die Ergebnisse unserer 4. Umfrage zu KI in Schule und Unterricht

Kategorien: MitgliederinformationVeröffentlicht: 09.10.2026

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, 

wir wollten in den vergangenen Woche von Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen wissen, wie Sie mit künstlicher Intelligenz in Schule und Unterricht umgehen. Mehr als 1200 Lehrerinnen und Lehrer haben sich an der vierten Umfrage zum Thema beteiligt – wofür wir uns zunächst ganz herzlich bedanken.

Angesichts der allgemein zu beobachtenden KI-Trunkenheit haben wir uns (und Sie!) gefragt, was eigentlich passiert, wenn eine Lehrkraft aus pädagogischen Gründen auf den Einsatz von ChatGPT & Co. verzichtet. Die Antwort ist nicht wirklich schön: Vier von zehn Lehrerinnen und Lehrern sorgen sich in diesem Fall vor beruflichen Nachteilen. „Gefühlter Zwang zur Nutzung: KI setzt Lehrkräfte unter Druck”. So haben wir unsere Pressemitteilung betitelt, die wir gestern mit den Umfrageergebnissen an Medien versendet haben.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten Ergebnisse vor:

KI-Chatbots gehören längst zum Schulalltag

Viele der von uns befragten Lehrkräfte nutzen die Chatbots „mehrmals in der Woche“ (31 Prozent), „gelegentlich“ (29%) oder sogar „täglich“ (14%). Lediglich 8% geben an, Chat-GPT und andere Systeme gar nicht zu nutzen. Mit zunehmender Dienstzeit sinkt die Häufigkeit der Anwendung, sprich: Ältere Kolleginnen und Kollegen nutzen weniger Häufig KI im beruflichen Kontext. Und dass, obwohl viele durchaus eine Entlastung verspüren: Konkret sagen 55,6% der von uns Befragten, dass KI-Systeme ihre Arbeit „sehr“ oder „etwas“ erleichtern.

Sorge vor Arbeitsverdichtung und Mehrarbeit

Der Einsatz von KI weckt auch Befürchtungen bei den befragten Pädagoginnen und Pädagogen. 39,3% erwarten, dass durch KI die Ansprüche an den Umfang und die Qualität ihrer Arbeit steigen, 30,4% sorgen sich vor Arbeitsverdichtung. Viele der Befragten befürchten Probleme, wenn sie KI-Chatbots nicht beruflich nutzen. Konkret sagen das 41,8%.

Eigenleistung und Jugendschutz

Gut 40% der Lehrkräfte sind der Meinung, dass durch KI sich die Bewertung von Schülerleistungen „eher stark“ (29,4%) oder „sehr stark“ (11,5%) verändert habe. Das erklärt womöglich die Skepsis mit Blick auf Kinder und Jugendliche, wenn es um KI geht. Auf die Frage, wo sie die größten Herausforderungen bei der Arbeit mit Chatbots sehen, nennen die meisten der befragten Lehrkräfte „fehlerhafte Ergebnisse“ an erster Stelle (70,1%). 42,9% sehen Probleme beim Datenschutz, fast genauso viele (41,7%) befürchten, ihre kognitiven Fähigkeiten einzubüßen, wenn sie Arbeit an die künstliche Intelligenz auslagern. Mit Sorgen sehen viele von Ihnen den Einfluss von KI. Mehr als 70% fordern eine Abschätzung der Folgen für Kinder und Jugendlichen.

Lehrkräfte nutzen vor allem kommerzielle KI-Systeme

ChatGPT hat von allen kommerziellen Anwendungen deutlich die Nase vorn. 66,8% nutzen den Chatbot, gefolgt von Gemini (31,1%) und der Anwendung von Fobizz (30,2%). Das hat Folgen, etwa auf die Angebote des Landes: Die landeseigenen KI-Assistenten sind weitgehend unbekannt: Weniger als 5% der von uns Befragten nutzen die vier KI-Assistenten.

Wenige Schulen geben sich eigene KI-Regeln

Gibt es an Ihrer Schule Vorgaben für die KI-Nutzung, wollten wir von den Teilnehmenden wissen. 28% haben diese Frage mit Ja beantwortet. Seit unserer ersten Befragung hat sich der Anteil damit mehr als verdoppelt (2023: 13%). 57% sagen, es gebe keine schulischen Vorgaben, 14% der Befragten sind sie nicht bekannt.

Unser Fazit fällt angesichts der Ergebnisse gemischt aus

Auf der einen Seite erleichtert KI uns an manchen Stellen die tägliche Arbeit, auf der anderen Seite sehen wir die Gefahr, dass dadurch die Ansprüche des Dienstherrn, was Arbeitsumfang und -qualität angeht, steigen. Viele Kolleginnen und Kollegen fühlen sich unter Druck gesetzt, mit Chatbots arbeiten zu müssen. Unsere Forderung: Gerade in unseren größeren Schulsystemen brauchen wir mehr Ressourcen und Zeit, um den Umgang mit KI zu professionalisieren und der rasanten Entwicklung standhalten zu können.

Die kompletten Ergebnisse sowie die begleitende Pressemitteilung finden Sie auf der PhV-Website unter: https://phv-nrw.de/2026/10/08/gefuehlter-zwang-zur-nutzung-ki-setzt-lehrkraefte-unter-druck/

Wir sagen …

… noch einmal herzlichen Dank für Ihre Mühe, bei unserer Umfrage mitgemacht zu haben. Wir als PhV gewinnen daraus wichtige Erkenntnisse, die wir für unsere Arbeit im politischen Raum sehr gut gebrauchen können. Die ersten Medien berichten übrigens am heutigen Freitag über unsere Befragung.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Sabine Mistler

PHILOLOGENVERBAND
Nordrhein-Westfalen

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