Ergebnisse unserer Umfrage zum Engagement von Eltern

Kategorien: MitgliederinformationVeröffentlicht: 15.06.2026

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, 

wie läuft es an Ihrer Schule eigentlich mit den Eltern Ihrer Schülerinnen und Schüler? Das wollten wir gern von Ihnen wissen und haben dazu im Mai eine Online-Umfrage laufen lassen, deren Ergebnisse nun vorliegen. Bevor wir sie Ihnen vorstellen, möchten wir uns aber sehr herzlich fürs Mitmachen bedanken. Mehr als 1.400 von Ihnen haben sich beteiligt und unsere Fragen beantwortet – darüber freuen wir uns sehr.

Wir haben aus den Ergebnissen der Umfrage zehn Thesen abgeleitet, die wir Ihnen folgende vorstellen. Die Gesamtergebnisse der Umfrage sind auf unserer Website verlinkt, Sie finden sie hier. Los geht’s:

Eltern fordern viel – leisten aber zu wenig Verlässlichkeit

Aus Sicht von insgesamt 48% der Befragten hat das Engagement der Eltern in den vergangenen Jahren abgenommen, nur 9% sehen eine Zunahme. 43% bewerten die häusliche Unterstützung nur als „mittel“, weitere 28% als „eher“ oder „sehr gering“ – 29% erleben Eltern hier als „stark”.

Eltern melden sich vor allem, wenn es Ärger und schlechte Noten gibt

Die häufigsten Anlässe für Elternkontakt sind „Leistungsprobleme“ (83%) und „Verhaltensauffälligkeiten“ (56%), seltener „Beratung zur Schullaufbahn“ (27%). Nur 7% der Kontakte entfallen auf positives Feedback. Der Draht zwischen Elternhaus und Schule ist heute vor allem digital: E‑Mails (87%) und schulische Plattformen (43%) haben Sprechstunden (25%) und Telefonate (21%) als Kommunikationswege klar abgelöst.

Ein relevanter Teil der Eltern bleibt im Hintergrund

Gesprächsangebote der Schulen werden genutzt, aber nicht von allen Eltern. Nur 39% der Lehrkräfte geben an, dass Eltern „fast alle“ Gesprächsangebote wahrnehmen. (Unter fast alle verstehen wir, dass mindestens acht von zehn Eltern auf Angebote reagieren.) Weitere 34% der von uns Befragten sehen immerhin „viele“ (sechs bis acht von zehn) wahrgenommene Angebote. 

Ohne konkretes Gesprächsangebot seitens der Schule passiert weniger: 37% sagen, nur eine „Minderheit der Eltern nimmt von sich aus“ Kontakt auf; weitere 20% erleben „kaum jemanden“. (Minderheit: zwei bis vier von zehn; kaum jemand: weniger als zwei).

Bei außerunterrichtlichen Aktivitäten sehen 36% die Beteiligung nur als „mittel“, 31% sogar als „eher gering“; nur 5% erleben „sehr starkes“ Engagement.

Häusliche Lernunterstützung ist das größte Defizit

Beim Blick auf fehlendes Engagement steht „Unterstützung beim Lernen zu Hause“ mit 32% klar an erster Stelle, noch vor „respektvoller Zusammenarbeit“ (24%) und „verbindlichem Kontakt“ (15%).

Zusammenarbeit ist oft mühsam – echte Partnerschaft die Ausnahme

43% erleben die Zusammenarbeit mit Eltern „teils konstruktiv, teils konflikthaft“; weitere 7% sprechen von häufig „konflikthaften Beziehungen bzw. „überwiegend belastender Zusammenarbeit. 4% der Lehrkräfte beschreiben die Zusammenarbeit als „sehr konstruktiv und unterstützend“.

Lehrkräfte fühlen sich im Streit mit Eltern oft im Stich gelassen

Zwar geben 51% an, bei Konflikten mit Eltern von der Schulleitung unterstützt zu werden, doch 35% schränken ein und sagen „kommt auf den Einzelfall an“ und 14% fühlen sich gar nicht gestützt. In den offenen Antworten wird deutlich: Viele von Ihnen wünschen sich „klare und uneingeschränkte Unterstützung der Schulleitung“ und klagen darüber, dass Eltern „zu sehr aufs Spielfeld gelassen“ werden und „Noten einklagen“.

Lehrkräfte lehnen den Elternwillen als Steuerungsinstrument ab

70% sagen, der Elternwille dürfe beim Übergang „nicht allein entscheidend“ sein, wenn die weiterführende Schule berechtigte Zweifel an der Eignung hat. 25% gehen noch weiter und wollen den Elternwillen in dieser Form ganz abschaffen; nur 3% halten ihn für „unantastbar“. Das Votum ist aus PhV-Sicht ebenso eindeutig wie erfreulich. Drei Viertel der Lehrkräfte halten die derzeitige Lösung für pädagogisch falsch – sie sprechen von einer Fehlsteuerung, die Kinder in Überforderung und Frust treibt.

Social Media: Lehrkräfte sehen Eltern eher auf ihrer Seite

47% glauben, die Eltern seien „eher“ oder „klar“ für eine Altersbegrenzung bei Social Media, nur 19% erwarten eine „eher“ oder „klar ablehnende“ Haltung. 31% schätzen die Eltern als „unentschieden“ ein – ein breites Feld, in dem Schule und Politik Orientierung geben könnten.

Beschwerdemanagement bleibt an vielen Schulen ein blinder Fleck

42% sagen, an ihrer Schule gebe es kein „transparentes Beschwerdemanagement“, weitere 25% können diese Frage nicht beantworten. Damit arbeitet nur etwa ein Drittel der Befragten an Schulen mit klar geregelten Abläufen für Beschwerden – trotz wachsender Konflikte und juristisch aufgeladener Auseinandersetzungen.

Große Unterschiede zwischen Gymnasien und Gesamtschulen

Bei einzelnen Fragen sind die Unterschiede groß. 39% der Gymnasiallehrkräfte sagen, dass „fast alle“ Eltern Gesprächsangebote wahrnehmen, an Gesamtschulen sind es 18%. Ähnlich sieht es bei außerschulischen Aktivitäten aus. Sehen an Gymnasien 31% der Befragten eine „eher geringe“ Teilnahme, an Gesamtschulen sind es 57%.

Ähnliches bei der Frage nach häuslicher Unterstützung: Gesamtschulpädagogen sehen bei 73% der Eltern eine „eher“ und „sehr geringe“ Unterstützung, an Gymnasien sind es nur 28%. Bedrohliche Situationen bei Elternkontakten gibt es in Einzelfällen hüben wie drüben (Gym: 34%; Ges: 48%). Am Gymnasium hatten 61% „noch nie“ ein mulmiges Gefühl beim Elternkontakt, an Gesamtschulen sind es laut Umfrage 37%.

Was wir mit den Ergebnissen nun vorhaben

Wir haben die Umfrageergebnisse heute per Pressemitteilung an Medien versendet und dabei festgehalten: „Es darf nicht sein, dass der Erziehungs- und Bildungsauftrag zunehmend an die Schulen delegiert wird. Unsere Umfrageergebnisse machen deutlich, dass sich immer mehr Verantwortung von den Eltern auf die Schulen verlagert. Eine echte Bildungspartnerschaft setzt jedoch voraus, dass Eltern ihren unverzichtbaren Beitrag zur Erziehung und zum Lernerfolg ihrer Kinder leisten.“ In diesem Sinne werden wir nun in politische Gespräche und Diskussionen mit Elternverbänden gehen.

… und zum Schluss

sage ich noch einmal herzlichen Dank für Ihre Mühe und Ihre Zeit.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Sabine Mistler

PHILOLOGENVERBAND
Nordrhein-Westfalen

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