KI-Korrekturen können Lehrkräfte unterstützen – aber nicht ersetzen
- PhV lehnt FDP-Vorschlag nach grundsätzlich KI-gestützter Korrektur ab
- Viele Lehrkräfte nutzen bereits Chatbots, bleiben aber skeptisch
- PhV: Schule kann nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen
Düsseldorf, 19. März 2026. Der Philologenverband Nordrhein-Westfalen (PhV NRW) spricht sich klar gegen den Vorschlag der FDP aus, Klassenarbeiten und Klausuren an weiterführenden Schulen künftig weitgehend mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) korrigieren zu lassen. Eine solche Automatisierung der Leistungsbewertung greift zu kurz und gefährdet zentrale pädagogische und fachliche Standards.
Aus Sicht des PhV kann der verantwortungsvolle Einsatz datenschutzkonformer KI-Systeme Lehrerinnen und Lehrer sinnvoll unterstützen: Etwa bei der Analyse von Fehlern, der Identifikation typischer Schwächen oder bei der Formulierung von Rückmeldungen. KI-gestützte Werkzeuge können so zu einer Entlastung im Korrekturalltag beitragen und mehr Zeit für individuelle Förderung schaffen.
„Die abschließende Bewertung von Leistungen und insbesondere die Notenvergabe müssen jedoch uneingeschränkt in der Hand der Lehrkraft bleiben“, erklärt Sabine Mistler, Landesvorsitzende des PhV. „Chatbots können fachliche und pädagogische Urteile nicht ersetzen, sondern allenfalls vorbereiten und begleiten.“
Die Risiken automatisierter Korrekturen sind hoch
Der PhV warnt vor den Risiken einer vollständigen Automatisierung:
- Fehlbewertungen und inkonsistente Beurteilungen;
- mangelndes Verständnis komplexer Argumentationen und kreativer Lösungsansätze;
- Einschränkung der pädagogischen Freiheit und der individuellen Würdigung von Lernprozessen;
- Verzerrungen in den zugrunde liegenden Trainingsdaten.
Gerade die Fähigkeit von Lehrkräften, sich in Denkwege von Schülerinnen und Schülern hineinzuversetzen und Leistungen über längere Zeiträume ganzheitlich zu beurteilen, ist durch KI nicht ersetzbar.
Zugleich fordert der Verband klare rechtliche und ethische Rahmenbedingungen für den KI-Einsatz im Bildungsbereich. Dazu gehören:
- Einsatz geprüfter und datenschutzkonformer Systeme;
- transparente Verfahren gegenüber Schülerinnen und Schülern;
- Möglichkeit zur Überprüfung und Korrektur von KI-gestützten Vorschlägen;
- gezielte Fortbildungsangebote für Lehrkräfte.
Die Ergebnisse der regelmäßigen Mitgliederbefragungen des PhV zeigen ein differenziertes Bild: Während eine Mehrheit der Gymnasiallehrkräfte KI bereits punktuell nutzt, besteht insbesondere bei der Leistungsbewertung große Zurückhaltung. Der PhV plädiert daher für einen prüfenden Einsatz von KI: als unterstützendes Werkzeug im Korrekturprozess, nicht jedoch als eigenständige Bewertungsinstanz.
„Wer die Korrektur vollständig an Chatbots delegieren will, verkennt einen wesentlichen Baustein von Bildung: die verantwortliche, fachlich fundierte und pädagogisch sensible Beurteilung durch den Menschen“, sagt Sabine Mistler.
- Zu den PhV-Umfragen: https://phv-nrw.de/aktuelles/umfragen/