Lehrer an NRW-Gymnasien nutzen im großen Stil Chatbots für den Unterricht

Kategorien: PhV in den MedienVeröffentlicht: 09.10.2026

Düsseldorf. Bei einer Umfrage sagten neun von zehn Gymnasiallehrern, dass sie für ihre Arbeit auf ChatGPT und Co. zurückgreifen – am häufigsten für die Unterrichtsvorbereitung, selten für Korrekturen. Weil die Schüler das aber leider auch tun, gibt es teils drastische Lösungsideen.

In den Klassenzimmern der nordrhein-westfälischen Gymnasien sitzt Künstliche Intelligenz inzwischen fest etabliert mit am Lehrerpult. Bei einer Umfrage des Philologenverbands NRW sagten rund 92 Prozent der gut 1200 befragten Gymnasiallehrkräfte, dass sie KI-Chatbots wie ChatGPT oder Gemini für ihre Arbeit nutzen – manche nur gelegentlich, fast jeder zweite aber mehrmals wöchentlich oder sogar täglich. Insbesondere für die Unterrichtsvorbereitung, zudem für Organisatorisches und Elternarbeit – eher wenig für Korrekturen.

Damit schärft sich ein Bild. Im vergangenen Jahr hatten 17 Prozent der damals Teilnehmenden KI grundsätzlich abgelehnt. 2023 hatte noch mehr als die Hälfte der Lehrkräfte erklärt, darauf zu verzichten. „Viele unserer Kolleginnen und Kollegen erkennen nach anfänglichen Vorbehalten mittlerweile einen echten Nutzen in den Chatbots“, resümierte die Landeschefin des Philologenverbands, Sabine Mistler, und thematisierte zugleich eine neue Sorge: „Viele Lehrkräfte fühlen sich unter Druck gesetzt, mit Chatbots arbeiten zu müssen.“ So sagten fast 42 Prozent der Teilnehmenden, dass sie berufliche Nachteile befürchten, wenn sie es nicht tun. „Gerade in größeren Schulsystemen wie Gymnasien und Gesamtschulen brauchen wir deshalb mehr Ressourcen und Zeit, um den Umgang mit KI zu professionalisieren und der rasanten Entwicklung standhalten zu können“, so Mistler.

Tatsächlich ist für das NRW-Schulministerium klar, dass die nötigen Kompetenzen jetzt zum Job dazugehören. „KI wird dauerhaft Teil unserer Lebens- und Arbeitswelt sein“, sagte ein Sprecher. Es gehöre zum Bildungsauftrag, junge Leute „auf einen kompetenten und verantwortungsvollen Umgang damit vorzubereiten. Sie sollen lernen, KI zu ihrem Vorteil zu nutzen, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und ihre eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Dafür müssen sich auch Lehrkräfte mit KI auseinandersetzen.“ Ziel des Landes sei es, Pädagogen dabei zu unterstützen, „die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz sinnvoll für sich und ihre Schülerinnen und Schüler zu nutzen“.

Zunehmend schwer, Schülerleistungen zu bewerten

Natürlich greifen Jugendliche aber nicht nur „sinnvoll“ und im Sinne ihrer Lehrer auf KI zurück. Das schilderten Lehrkräfte in der Umfrage als wachsendes Problem. „KI macht es zunehmend schwierig, Eigenleistung zu beurteilen, besonders da, wo auch im Unterricht mit Tablets gearbeitet wird“, heißt es etwa in einer Auswahl von Freitext-Ausführungen, die der Philologenverband aus den Antworten zusammengestellt hat. Oder: „Es fällt auf, dass die mündlichen Beiträge im Unterricht qualitativ zunehmend stark von den schriftlichen Leistungen (Klausuren, Tests, andere Angaben) abweichen.“ Es ergebe sich „ein teils widersprüchliches und diffuses Leistungsbild“.

Viele Lehrkräfte forderten mehr mündliche, handschriftliche und in der Schule erbrachte Prüfungen, stellten den Sinn von Facharbeiten oder der geplanten Präsentationsprüfung im fünften Abiturfach infrage. Es gebe sogar Vorschläge für den Einsatz von Störsendern oder Software zur Erkennung von KI-Texten, berichtete der Philologenverband.

Mehr mündliche Erläuterungen zu Hausaufgaben

„Die Sorge, dass sich die Eigenleistung durch KI schwerer erkennen lässt, ist nachvollziehbar“, hieß es dazu aus dem Schulministerium. Bei beispielsweise Hausaufgaben komme es stärker darauf an, auch Arbeits- und Denkprozesse sichtbar zu machen. „Dokumentierte Zwischenschritte, Reflexionsgespräche oder mündliche Erläuterungen können zeigen, ob Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse selbst verstanden haben.“

Bei der anstehenden Reform der Oberstufe werde KI ausdrücklich mitgedacht, betonte der Ministeriumssprecher weiter. So gehöre zur Präsentationsprüfung auch ein Fachgespräch, in dem die Schüler „ihr Wissen und Verständnis im direkten Austausch zeigen, Zusammenhänge erläutern und ihre Ergebnisse begründen“ müssten.

  • Seine Umfrage hatte der Philologenverband vom 4. bis 27. September durchgeführt, auch in Vorjahren hat er Erhebungen zum Thema angestellt. Beteiligt haben sich diesmal 1205 Lehrerinnen und Lehrer, vornehmlich von Gymnasien.

Der gesamte Beitrag ist am Freitag, 9. Oktober 2026, bei RP-Online erschienen.

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