PhV sieht sich durch mögliches Smartphone-Verbot bestätigt
- Endgeräte sollen bundesweit bis zur 7. Klasse untersagt werden
- Nutzung von KI-Chatbots erst nach verpflichtender Schulung
- Empfehlungen möglichst schnell auf Landesebene umsetzen
Düsseldorf, 24. Juni 2026. Der nordrhein-westfälische Philologenverband (PhV NRW) sieht sich durch die heute vorgelegten Handlungsempfehlungen der Expertenkommission Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt in seiner Linie bestätigt. So empfiehlt die Kommission, die Nutzung privater Smartphones in Grundschulen und an weiterführenden Schulen in den Klassen fünf bis sieben komplett zu untersagen. „Wir hoffen sehr, dass NRW diese Empfehlung schnellstmöglich umsetzen wird“, sagt die PhV-Landesvorsitzende Sabine Mistler. Der PhV hatte das Verbot seit Langem gefordert und sieht sich dabei auch von Elternverbänden unterstützt. „Bisher hat man in NRW die Verantwortung den Schulen überlassen. Mit den neuen, sehr eindeutigen Empfehlungen wird man nun hoffentlich umdenken.“
Eine weitere Empfehlung lautet, Kinder bereits im Grundschulalter mit dem Umgang mit KI-Systemen vertraut zu machen. Laut Kommission sind Schulen dazu durch europäisches Recht ohnehin verpflichtet. Neu ist eine verpflichtende Prüfung mit einer Art Zertifikat für Schülerinnen und Schüler – dem KI-Seepferdchen. Die Nutzung von KI-Chatbots wie ChatGPT soll aber trotzdem erst ab einem Alter von 13 Jahren zulässig sein. Auch die Nutzung von sozialen Medien soll erst ab diesem Alter gestattet sein. Ein allgemeines Nutzungsverbot für Kinder und Jugendliche unter 16 wie ursprünglich diskutiert ist damit vom Tisch.
Digitale Medienbildung vor der weiterführenden Schule
Digitale Medienbildung soll aber schon früher beginnen. Pädagogische Fachkräfte sollen künftig so ausgebildet werden, damit sie Medienkompetenz schon in Kindergärten und Kitas vermitteln können. Auch im Lehramtsstudium und in der Lehrkräftefortbildung sollen Medienpädagogik eine größere Rolle spielen als bislang.
Ferner sollen Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern durch fachspezifische und fächerübergreifende Bildungsangebote KI-Kompetenz vermitteln und so zu einem reflektierten, kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit KI befähigen. „Damit Lehrkräfte diese Aufgaben kompetent umsetzen können, brauchen sie nicht nur bunte Videos zur Anleitung, sondern fundierte Fortbildungsangebote, funktionierende IT-Infrastruktur mit entsprechendem Support und vor allem Zeit“, mahnt Mistler. „Diese erweiterte Form der Medienkompetenzvermittlung ist keine Zusatzaufgabe, die unsere Kolleginnen und Kollegen mal eben so nebenher erfüllen können. Wir benötigen hierzu Zeit. Wir dürfen nicht vergessen, dass es an unseren Schulen auch immer noch darum gehen sollte, fachliche Unterrichtsinhalte zu vermitteln.“
Die Vorschläge der Kommission sind zunächst das: Vorschläge. Ob und wie weit sie auf Bundes- oder Länderebene umgesetzt werden, muss sich zeigen. Die 18 Expertinnen und Experten raten zwar zu einer raschen Umsetzung der wichtigsten Empfehlungen bis Ende des Jahres, verweisen aber gleichzeitig darauf, dass nationale Alleingänge nicht sinnvoll seien. „Zeit haben wir keine zu verlieren, Schulen und Lehrkräfte brauchen keine Absichtserklärungen, sondern handfeste Politik mit klaren Leitplanken. Bislang wurden sie vielfach allein gelassen.“