Schulbarometer: Verhaltensprobleme als größte Belastung

Kategorien: PressemitteilungenVeröffentlicht: 23.06.2026
  • PhV sieht sich durch Deutsches Schulbarometer 2026 bestätigt
  • Auffälliges Benehmen sorgt für viele Schwierigkeiten im Alltag
  • KI gehört zum Schulalltag, sorgt aber auch für Unsicherheit

Düsseldorf, 23. Juni 2026. Die heute veröffentlichten Ergebnisse des Schulbarometers der Robert-Bosch-Stiftung machen deutlich, wo für viele Lehrkräfte derzeit die größten Herausforderungen im Schulalltag liegen. Das ist zum einen der Umgang mit auffälligem Schülerverhalten, das für 46 Prozent der befragten Lehrkräfte derzeit die größte Schwierigkeit darstellt. Zum anderen ist es der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Deren Nutzung ist zwar für viele Lehrerinnen und Lehrer alltäglich geworden, dennoch bestehen weiter Unsicherheiten. Beide Befunde decken sich mit den Ergebnissen von Umfragen, die der nordrhein-westfälische Philologenverband (PhV NRW) unter Lehrkräften durchgeführt hat.

„Das Schulbarometer bestätigt, was unsere Kolleginnen und Kollegen in NRW berichten: Lehrkräfte werden in immer öfter mit Verhaltensproblemen konfrontiert, die den Unterricht belasten, Lernzeit kosten und intensive Gespräche mit Eltern notwendig machen“, erklärt die PhV-Landesvorsitzende Sabine Mistler. 56% der befragen Lehrinnen und Lehrer hatten in der jüngsten PhV-Umfrage angegeben, dass Verhaltensauffälligkeiten von Schülerinnen und Schülern Grund für Gespräche mit Eltern seien.

Verlässliche Strukturen und echte Unterstützung

Das Schulbarometer verweist darauf, dass hinter problematischem Verhalten vielfach Schwierigkeiten bei sozialer Integration, Motivation und Selbststeuerung stehen. Ein Viertel der Lehrkräfte berichtet, dass Schülerinnen und Schüler Mühe haben, sich in Gruppen einzufügen; 13 Prozent nennen fehlende Lernmotivation als Kernproblem.

Aus Sicht des PhV ergibt sich daraus eine klare Forderung: Schulen dürfen damit nicht allein gelassen werden. „Wenn Lehrkräfte neben dem Unterricht immer stärker Erziehungsarbeit leisten müssen, brauchen sie verlässliche Strukturen, echte Unterstützung und eine Zusammenarbeit mit Elternhäusern“, sagt Mistler.

Auch beim Thema KI in Schule und Bildung zeigt sich Parallelen zwischen den Ergebnissen des Schulbarometers und einer PhV-Umfrage unter NRW-Lehrkräften. Das Schulbarometer beschreibt KI als angekommenes Alltagswerkzeug: 25 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer nutzen entsprechende Anwendungen bereits mehrmals pro Woche, 48 Prozent fühlen sich sicher im Umgang mit den Tools. Besonders häufig kommt KI beim Erstellen von Aufgaben und bei der Unterrichtsplanung zum Einsatz; gleichzeitig wünscht sich mehr als die Hälfte gezielte Fortbildungen.

Viele Lehrkräfte nutzen KI-Anwendungen bereits

Die PhV-Befragung stellt Ähnliches fest: Viele Lehrkräfte nutzen KI bereits mit großem praktischem Nutzen beispielsweise für Unterrichtsvorbereitung, Korrespondenz und Materialerstellung. Aus Neugier wird Kompetenz – so hat der PhV die Ergebnisse der Umfrage im vergangenen November betitelt.  63% der Lehrkräfte gaben an, KI-gestützte Anwendungen gelegentlich (48%) oder sogar regelmäßig (15%) im Unterricht zu nutzen.

Ebenso deutlich wird aber, dass zwischen pragmatischer Nutzung und professioneller Sicherheit im Umgang weiterhin eine Lücke besteht. Wo rechtliche, pädagogisch-didaktische und datenschutzbezogene Fragen offenbleiben, wächst der Bedarf an klaren Vorgaben, geeigneten Fortbildungen und alltagstauglichen Standards.

„Unsere Kolleginnen und Kollegen sind offen für KI-Anwendungen und setzen sie vielfach verantwortungsvoll ein, aber sie brauchen dafür einen verlässlichen Rahmen“, so Sabine Mistler weiter. Vor wenigen Tagen erst hat das Schulministerium vier KI-Chatbots vorgestellt, die von Schulleitungen und Lehrkräften vor allem und zunächst bei Routinetätigkeiten entlasten sollen.

Der PhV sieht sich durch das Schulbarometer in seiner Forderung bestätigt, Schulen personell und organisatorisch besser auszustatten. „Besonders mit Blick auf die anstehenden Großreformen in NRW brauchen Lehrkräfte ein klares Signal, dass die Schwierigkeiten durch sich verändernde Schülerschaft und die digitalen Herausforderungen nicht allein auf den Schultern der Lehrkräfte abgeladen werden können.“

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