PISA-Studie zeigt: Lehrkräften fehlt Zeit für guten Unterricht

Kategorien: PressemitteilungenVeröffentlicht: 08.09.2026
  • Aktuelle Ergebnisse zeigen noch keine echte Trendwende
  • Leistungsprinzip und Fachlichkeit gehören zusammen
  • Sprache ist der Schlüssel für schulischen Erfolg

Düsseldorf, 8. September 2026. Der nordrhein-westfälische Philologenverband (PhV NRW) warnt angesichts der heute vorgestellten Ergebnisse der PISA-Studie 2025 davor, die Verantwortung für die Ursachen allein den Schulen und Lehrkräften zuzuschieben. „Unsere Lehrerinnen und Lehrer leisten täglich weit mehr als Unterricht“, erklärt die PhV-Landesvorsitzende Sabine Mistler. „Und gesellschaftliche Probleme lassen sich nicht allein in Schulen lösen.“ Reflexhafte Schuldzuweisungen in eine einzige Richtung seien wenig zielführend.

Die PISA-Ergebnisse sind aus Sicht des PhV mit eine Folge tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Unsicherheit und Veränderungen der vergangenen Jahre: Die Folgen der Corona-Pandemie, Zukunfts- und Krisenängste, eine zunehmend problematische Nutzung digitaler Medien sowie die rasante Entwicklung generativer künstlicher Intelligenz prägen den Alltag vieler junger Menschen. Schulen müssen darauf reagieren können. Sie dürfen dabei aber nicht allein gelassen werden.

Schulische Bildung ist keine Einbahnstraße

Vor allen Dingen sei schulische Bildung laut Mistler keine Einbahnstraße: „Erfolgreiches Lernen braucht Anstrengungsbereitschaft, Verlässlichkeit und Disziplin. Neben Eltern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern ist dabei auch die Politik gefragt:  Wer bessere Leistungen erwartet, muss auch Leistungsbereitschaft fördern und einfordern.“ Kritisch sieht der PhV die bildungspolitische Entwicklung der vergangenen Jahre. NRW habe seinen Fokus zunehmend auf Kompetenzorientierung gelegt, während die Vermittlung von Fachwissen und das Leistungsprinzip oft in den Hintergrund gerückt seien. „Wer Texte verstehen, mathematisch oder naturwissenschaftlich denken soll, braucht einen gesicherten Wortschatz, Fachwissen, Routine im Lesen, Schreiben und Rechnen und die Bereitschaft, sich auch mit komplexen Aufgaben länger zu befassen“, so Mistler.

Der PhV erkennt an, dass die Landesregierung mit dem Schulkompass 2030 die systematische Stärkung der Basiskompetenzen und insbesondere die Sprachförderung als Kernprobleme angeht. „Wir dürfen aber auch die leistungsstärkeren Schülerinnen und Schüler nicht aus den Augen verlieren“, warnt die Vorsitzende des Philologenverbandes. Förderung von Leistung und Bildungsgerechtigkeit schließen sich aus PhV-Sicht nicht aus.

Reformen lassen kaum Zeit für guten Unterricht

Mit Blick auf Nordrhein-Westfalen kritisiert der PhV die Reformen, die viele Schulen zunehmend fordern. „Unsere Kolleginnen und Kollegen erleben, dass Maßnahmen vielfach nicht gemeinsam mit ihnen entwickelt, sondern von oben verordnet werden. Die Umsetzung bindet Zeit und Energie, die für guten Unterricht, individuelle Förderung und die tägliche Arbeit mit Schülerinnen und Schülern fehlen“, moniert Mistler.

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