Lehrer in NRW vertrauen ChatGPT mehr als Landes-Chatbots
„Nach wie vor gilt: Die Lehrkraft unterrichtet. Doch immer öfter fließt in die Vorbereitung des Unterrichts oder ins Erstellen von Klassenarbeiten der Rat von KI-Chatbots wie ChatGPT ein. Laut einer Umfrage des Philologenverbandes NRW unter 1205 Lehrkräften gehören für neun von zehn Lehrern inzwischen Chatbots zum Berufsalltag. Wer vermutet, dass in der Schule vor allem die Schüler mit der Künstlichen Intelligenz experimentieren, liegt also falsch.
„Viele unserer Kolleginnen und Kollegen erkennen nach anfänglichen Vorbehalten mittlerweile einen echten Nutzen in den Chatbots“, sagt die Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Sabine Mistler. „Mit dem Nutzen steigt die Akzeptanz.
ChatGPT und Gemini besonders beliebt
Auffällig ist, dass die Lehrkräfte laut der Umfrage kommerzielle KI-Systeme wie ChatGPT (66,8 Prozent) oder Gemini (31,1 Prozent) bevorzugen. Weniger als fünf Prozent der Befragten nutzen die vier KI-Assistenten , die das Land NRW seit Anfang Juni für Lehrerinnen und Lehrer bereitstellt. 39 Prozent sagen sogar, sie würden die KI-Chatbots des Landes für Lehrer gar nicht kennen.
Das NRW-Schulministerium sieht darin kein Problem. Die vier Angebote für Schulleitungen seien erst im Sommer freigeschaltet worden und daher vielen noch unbekannt. Die KI-Assistenten richteten sich vor allem an Schulleitungen und böten Hilfe bei schulrechtlichen Fragen, bei der Vorbereitung von Gesprächen mit den Eltern und bei der Entwicklung von Medienkonzepten. Sie gehörten zum länderübergreifenden Schul-Chatbot „AIS.chat“.
FDP-Abgeordnete: „Da wäre viel mehr drin“
„AIS.chat ist am Ende nur ein weiterer Chatbot wie ChatGPT, und den nutzen die Befragten ohnehin schon“, kritisiert die FDP-Schulexpertin Franziska Müller-Rech. „Wir wollen statt immer neuer Chatbots wirklich funktionierende Entlastungswerkzeuge.“ KI sei eigentlich dazu geeignet, die Lehrer viel besser zu entlasten. Zum Beispiel bei der Verwaltungsarbeit und beim Vorkorrigieren von Klassenarbeiten. An dieser Stelle mache Schwarz-Grün aber zu wenig.
Der Umgang der Lehrer mit KI ist der Umfrage zufolge in NRW weitegehend regelfrei. Nicht einmal jeder dritte Befragte sagte, dass es an seiner Schule Vorgaben zur KI-Nutzung gebe. Gleichzeitig fühlten sich viele Lehrerinnen unter Druck gesetzt. Fast 40 Prozent meinen, dass durch KI die Erwartungen an ihre Arbeit steigen würden. Jeder Dritte habe Angst vor Arbeitsverdichtung. Viele befürchten außerdem, Probleme mit dem Datenschutz zu bekommen.
Die KI-Entwicklung sei rasant. Gerade in großen Gymnasien und Gesamtschulen sollten Lehrkräfte mehr Zeit und Anleitung bekommen, um den professionellen Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu lernen, betonte Verbandsvorsitzende Sabine Mistler. Der Philologenverband NRW hatte im Herbst 2026 zum vierten Mal Lehrkräfte zu ihren Erfahrungen mit KI in Schule und Unterricht befragt.
Der gesamte Beitrag ist am Donnerstag, 29. Oktober 2026, in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung erschienen.
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