Reform der Oberstufe in NRW benötigt Zeit für Anpassungen
- Abschließende Beratung im Schulausschuss zur APO-GOSt
- Schulen und Lehrkräfte stehen vor großen Herausforderungen
- PhV fordert vorübergehenden Stopp weiterer Reformen
Düsseldorf, 7. Juli 2026. Grundsätzlich begrüßt der Philologenverband die Weiterentwicklung der Gymnasialen Oberstufe. „Auch wenn es zwischendurch holprig werden dürfte, ist uns sehr daran gelegen, diese Reform zu einem Erfolg zu führen. Ob das an allen Schulen problemlos gelingen wird, bezweifeln wir aber.“ Morgen (Mittwoch, 8. Juli) soll die Reform abschließend im Schulausschuss des NRW-Landtags beraten und beschlossen werden, sie könnte somit noch vor dem Beginn der Sommerferien ins Plenum gehen.
Der PhV hat eine schriftliche Stellungnahme zur APO-GOSt, wie das Regelwerk offiziell heißt, eingereicht. „Zwar sind wichtige Änderungsvorschläge des PhV nach der Verbändebeteiligung in den nun vorliegenden Entwurf aufgenommen worden, in anderen nennenswerten Punkten hat das Schulministerium sich allerdings nicht mehr bewegt“, moniert die PhV-Vorsitzende. „Viele Hinweise von gymnasialen Fachleuten aus der Schulpraxis sind im Prozess ignoriert worden.“
Auf Lehrkräfte kommen enorme Mehrbelastungen zu
Wichtigster Kritikpunkt ist der hohe organisatorische Mehraufwand, den die Einführung eines fünften Abiturfachs, neue Prüfungsformate wie Präsentationsprüfungen und neu zu gestaltende Projektkurse mit sich bringen. Sie erhöhen den Planungs‑ und Koordinationsaufwand an Schulen ganz erheblich, zumal die Reform der Oberstufe nicht mit zusätzlichen personellen oder zeitlichen Ressourcen hinterlegt ist.
„Es ist absehbar, dass auf Schulen und Lehrkräfte eine enorme Mehrbelastung zukommen wird, ohne dass dafür Entlastungen vorgesehen werden. Wie bei anderen Reformvorhaben gilt auch bei diesem Großprojekt das Gebot der Ressourcenneutralität.“ Zudem kritisiert der PhV die knappe Vorbereitungszeit. Schulen brauchen aus PhV-Sicht mehr Zeit, klarere Vorgaben und Unterstützung für eine qualitätsvolle Umsetzung und Implementierung der Neuerungen. Neben Lehrkräften könnten auch Schülerinnen und Schüler durch die zusätzlichen Anforderungen stärker belastet werden. Die wichtige Laufbahnberatung dürfte deutlich herausfordernder werden und der Abiturpüfungszeitraum selbst, durch das zusätzliche fünfte Fach, kompakter und anstrengender, zudem müssen neue Formate ausgearbeitet, erprobt und evaluiert werden.
Vier Forderungen des Philologenverbandes
- Der PhV fordert einen vorübergehenden Stopp weiterer tiefgreifender Reformen. Zumindest so lange, bis die Neugestaltung der Oberstufe an allen Sek-II-Schulen erfolgreich umgesetzt und evaluiert worden ist. Wir wollen keinen Wandel blockieren, sondern Veränderungen begleiten, die verantwortbar sind und im System Schule verarbeitet werden können.
- Bis zur vollständigen Umsetzung der Reform benötigen Schulen und Kollegien mehr Zeit, um beispielsweise neue Prüfungsformate vorbereiten und einüben zu können. Aus diesem Grund fordern wir das Schulministerium auf, vorrübergehend mindestens einen zusätzlichen Tag je Schulhalbjahr für diese Zwecke zu ermöglichen.
- Außerdem fordert der Philologenverband, die Schüler-Lehrer-Relation deutlich zu verringern. Dies würde dazu führen, dass die Gymnasien und Gesamtschulen mehr Lehrkräfte einstellen, flexibler Kurse einrichten und entsprechend bessere Wahlangebote machen könnten.
- Das Unterstützungsmaterial und abgestimmte Kernlehrpläne (KLP) sollten spätestens zum Ende der Sommerferien bereitstehen, damit Schulen bzw. die Fachschaften die Arbeit aufnehmen können.
- Die Stellungnahme unseres Verbandes zur neuen APO-GOSt finden Sie auf der PhV-Website unter: https://bit.ly/4p0NHUi